Frauen und Fußball

Fußball war lange Zeit mein großes Hobby: Bereits mit sieben Jahren stand ich fast jedes Wochenende und unzählige regenfreie Nachmittage auf dem Bolzplatz. In Vorbereitung auf die nächste Ballerrunde mit den Jungs aus der Nachbarschaft zelebrierte ich es, mich in mein Karl-Heinz-Riedle-Outfit zu werfen. Die Stutzen saßen perfekt und das Trikot schlabberte lässig.

Bundesliga auf Sat1, Champions League auf RTL und Länderspiele auf ARD und ZDF: Das Wohnzimmer wurde zur Mama-freien Zone erklärt. Was feierten mein Vater und ich den hochroten Kopf eines Uli Hoeneß, wenn Bayern München verlor, was kochten wir vor Wut, wenn sie am Ende doch die Meisterschale in den Händen trugen.

Als ich mit zehn Jahren meinen Vater völlig unbefangen und sorglos fragte, ob ich nicht Fußball spielen könnte, also so richtig, ohne Wiese vor der Haustür und einer Torbegrenzung aus zwei kleinen Steinen oder schmalen Baumstämmen, reagierte er unerwartet: „Nein. Damit machst du dir als Mädchen nur die Beine kaputt.“ Seine Antwort überraschte mich, waren wir doch seit jeher ein eingespieltes Pille-Team. Gegen das Bolzen mit Freunden hatte er schließlich auch nie etwas einzuwenden.

Es war kein eindeutig ausgesprochenes Verbot, doch wie sollte ich mich als Zehnjährige schon ohne die Unterschrift meiner Eltern unter dem Mitgliedsausweis in einem Verein anmelden? Meine Mutter fragte ich nie – Frauen und Fußball eben, so dachte ich. Im Nachhinein war ich ganz glücklich, meine Profikarriere so früh an den Nagel gehängt zu haben. Denn am Ende waren es nicht die Rollenbilder, die mir einen Strich durch die Rechnung machten, sondern meine Gesundheit.

Erschienen in Der Freitag zusammen mit anderen Texten, 27.05.2010

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